CeBIT 2006: Voice over IP erobert das Handy

Nachdem eine Studie der Unternehmensberatung Accenture die Sprachkommunikation über Datennetze (Voice over IP) in deutschen Firmen bereits auf dem Wege "von der Nischen- hin zur Massenanwendung" sieht und danach schon in jedem vierten Unternehmen VoIP-Lösungen eingesetzt oder erprobt werden, kommt nun der nächste Sprung. Auf der diesjährigen CeBIT werden die ersten Mobiltelefone gezeigt, die sowohl für die Internet-Telefonie über Wireless-LAN-Netze als auch für den klassischen Mobilfunk im GSM- oder UMTS-Standard gerüstet sind.

So hat Nokia drei Businessgeräte angekündigt, die Daten per WLAN, UMTS und Voice over IP übertragen können. Auch für verschiedene Business-Devices mit dem Betriebssystem Windows Mobile 5 sollen VoIP-Clients auf Softwarebasis vorgestellt werden. Mit dem Zusammenwachsen von Fixed Line, drahtloser Netzwerktechnik und Mobilfunk wird das Festnetz mobil. Als ersten Schritt wollen die Deutsche Telekom und arcor auf der CeBIT Dual-Mode-Geräte im Handyformat zeigen, mit denen man in den eigenen vier Wänden über den DSL-Anschluss telefonieren kann, während sie sich unterwegs ins Mobilfunknetz einbuchen. Entsprechende Produkte sollen im zweiten Quartal 2006 auf den Markt kommen.

Das amerikanische Markt­forschungs­unternehmen In-Stat prognostiziert in seiner Studie "Draht­lose IP-Telefonie als Schlüssel des VoIP-Marktes", dass bis 2010 weltweit rund 66 Millionen Dual-Mode-Endgeräte in Benutzung sein werden. Gerade Europa sei der ideale Nährboden für die neue Technik, da hier Mobilfunkanbieter ohne Festnetzgeschäft für ausgeprägten Wettbewerb sorgen würden. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) sagt in ihrem "Communications Outlook 2005" voraus, die Web-Telefonie könne auch für Mobilfunk­betreiber zur Bedrohung werden, wenn es möglich sei, übers Internet bis zu 80 Prozent günstiger zu telefonieren als im Festnetz der OECD-Länder.

Vor allem für Firmen bietet die Internet-Telefonie ein enormes Spar­potenzial. So verursachen VoIP-Gespräche innerhalb des Firmennetzes nur sehr geringe Kosten oder sind sogar kostenlos – selbst wenn sich eine Niederlassung im Ausland befindet. Dabei kann ein VoIP-fähiges Handy als mobile Nebenstelle eingesetzt werden, auch Konferenzschaltungen sind möglich.

Auf der CeBIT 2006 wollen führende Hard- und Software-Hersteller demonstrieren, wie sich die Internet-Telefonie nahtlos in die Unternehmenskommunikation integrieren lässt. Bei Ericsson ist das bereits Realität: Die Mitarbeiter des schwedischen Konzerns haben keine Festnetztelefone mehr, sondern nur noch ein Handy. Noch weiter geht man in Japan: Dort soll bis 2007 unter der Führung des Ministry of Internal Affairs and Communications (MIAC) ein großflächiges VoIP-Netz für Handys, Smartphones und Internet-PDAs entstehen.

Ein Liste der CeBIT-Aussteller mit VoIP-Lösungen gibt es beim VoIP-Info.de.


Posted on Dienstag, Februar 21st, 2006 at 09:54 and is filed under CeBIT 2006. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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