Capital: DAX-Unternehmen starten mit Weblogs
Heute war die neue Ausgabe der Capital im Briefkasten. Darin eine Exklusivumfrage unter den Dax-30-Unternehmen zum Thema Weblogs. Danach nutzen bereits fünf Top-Konzerne intern oder extern dieses Kommunikationsmittel, weitere fünf prüfen ihren konkreten Einsatz. Zu den zehn Vorreitern gehören adidas, Allianz, BASF, BMW, DaimlerChrysler, Deutsche Post, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und VW.
So schildert Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bereits im firmeneigenen Intranet Eindrücke aus Besuchen bei Konzerntöchtern, äußert sich zu Technologien, Trends und Innovationen. Aktuell arbeitet der Konzern zudem an einer Plattform, die es auch Mitarbeitern ermöglicht, Internet-Journale einzurichten.
"Doch nicht immer ist der Einsatz von Webslogs unternehmensweit und dauerhaft", beschreibt "Capital"am Beispiel der Allianz. Der Versicherungskonzern setzt die neue Kommunikationsform nicht ein, doch die Investmenttochter Dresdner Kleinwort Wasserstein ist schon im Netz dabei.
Der Automobilhersteller BMW hat sich bislang in zwei Weblogs engagiert: beim America�'s-Cup-Herausforderer BMW Oracle Racing und zeitweise während der IAA.
Möglichst bald im neuen Jahr will laut "Capital" auch SAP-Chef Henning Kagermann sein Online-Journal ins Netz bringen. Noch feile er allerdings an der Themenmischung – vom Softwaregeschäft bis zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Seine sechs Vorstandskollegen kommunizieren bereits über ihre persönlichen Plattformen im Internet, die "SAP Executive Blogs".
Weitere Ergebnisse der Umfrage: Die Deutsche Post "arbeitet intensiv daran", die Deutsche Börse beobachtet die Entwicklung "mit großem Interesse," und die Deutsche Telekom kann sich das Instrument bei der Mitarbeiterkommunikation vorstellen. TUI und Metro untersuchen fremde Weblogs systematisch auf relevante Kommentare. Auch Autozulieferer Continental will in Zukunft ein Auge auf die Szene werfen. VW prüft die Verwendung bei "zielgruppenspezifischen Webauftritten".
Zu den Skeptikern zählt dagegen der Energiekonzern E.ON, für den "der Aufwand für Unternehmens-Weblogs bislang noch in keinem angemessenen Verhältnis zum erzielbaren Nutzen" steht. Wohin diese Ingnoranz führen kann, beschreibt Thomas Knüwer in Indiskretion Ehrensache am Beispiel des Energiekonzerns RWE und der fehlenden Kommunikation im Zusammenhang mit den Stromausfällen im Münsterland
Auch Henkel-Kommunikationschef Ernst Primosch setzt laut "Capital" lieber "auf CEO-Chats mit Firmenchef Ulrich Lehner". Die Kommunikatoren der Bayer AG sind ebenfalls grundsätzlich skeptisch: "In Großunternehmen lässt sich der Aufwand bei reger Nutzung nur durch ein Redaktionsteam leisten – das widerspricht jedoch dem Grundprinzip des Bloggens, das auf Authentizität beruht".
Vielleicht ist das aber noch nicht die endgültige Einschätzung. Denn immerhin bietet die Dienstleistungstochter Bayer Industrie Services für die Führungskräfte des Chemiekonzerns ein Seminar mit dem Titel "Der Einsatz von Weblogs in Unternehmen" an. Unter anderem sollen dort folgende Punkte besprochen werden:
* Welche neuen Ideen sind denkbar? Gibt es Visionen für die Einsatzmöglichkeiten im eigenen Aufgabengebiet?
* Wo liegen die Vorteile, die Möglichkeiten und der Nutzen dieser neuen Ideen und bisherigen Informationen?
* Wie kann ich Weblogs zur Akquise nutzen? Wie zum Kundenkontakt? Gibt es Möglichkeiten, die unternehmensinterne Kommunikation damit zu optimieren?
Zumindest in Leverkusen scheint also noch nicht Hopfen und Malz verloren zu sein. Schauen wir mal, ob aus den Seminaren was Vernünftiges rauskommt.