Calvin Klein: Technosexuelle Fake-Blogger drehen durch

Calvin Klein: Technosexuelle Fake-Blogger drehen durch

Wenn ich der größte Parfümhersteller der Welt wäre, würde ich diese PR-Leute feuern. Denn die Frankfurter Agentur d.k.d. Internet Service GmbH hat nicht nur eine recht dämliche Fake-Blog-Kampagne für die Coty Prestige Lancaster Group (u.a. Marken wie Calvin Klein, Jil Sander, Davidoff, Joop!, Jette Joop, Cerruti, Chloé, Kenneth Cole, Marc Jacobs, Vera Wang, Karl Lagerfeld, Jennifer Lopez, Sarah Jessica Parker und Lancaster) gestartet.

Sondern – nachdem diese aufgeflogen ist und nach den Blogs auch in etlichen etablierten Medien (wie z.B. bei Handelsblatt, Focus, Spiegel, Horizont und anderen zu einem ziemlich negativen Pressecho geführt hat – jetzt noch eine Pressemitteilung zur Erklärung nachgelegt.

Darin wird die ganze Geschichte als "Online-Telenovela im Blogformat" verharmlost: "Teil des Konzeptes war die Enttarnung der Charaktere durch andere Blogger, zeitgleich zum Launch der Düfte Anfang April". Mal abgesehen von der grauenhaften Sprache ("Die Zielgruppe der neuen Düfte ist die Generation Y, die im Web 2.0 zuhause ist – kurz die technosexual generation. Diese Generation ist multitasking-fähig und lebt digitale Kommunikation. Bereits der Name der neuen Düfte ck IN2U verweist auf SMS-abkürzungen und Internet Leetspeak, bei welcher Buchstaben und Zahlen gemixt werden. So spielt auch die Teaserkampagne mit den alltäglichen Elementen dieser Zielgruppe, wie Weblogs, You Tube und MySpace-Profilen") erfahren wir, dass die Hauptdarsteller Alina, Joe, Katharina, Mirjam und Tomek "mit der im Web immer wieder kehrenden Identitätsfrage und dem Thema fake or no fake? spielen".

Die Agentur hat nichts von der Blogosphäre begriffen. So geht die Pressemitteilung mit keinem Wort auf die teilweise recht deftigen Rechnungen verschiedener Blogger wegen Kommentar-Spam ein, sondern lügt die Pleite auch noch zum Erfolg um: "ck In2U fördert mit der Kampagne nicht nur die Diskussion über Weblogs: Seit die Teaser-Kampagne als Blog-Soap rund um ck IN2U aufgedeckt wurde, hat sich beispielsweise die Nennung der beiden neuen Düfte in deutschen Blogs – die nicht direkt über die Blog-Soap angesprochen wurden – etwa verzehnfacht."

Nun wird in PR-Kreisen gerne der Spruch verbreitet, dass auch eine negative Erwähnung besser als eine Nichtbeachtung ist. Aber da wäre ich mir im Fall der technosexuellen Calvinisten nicht so sicher. Ich an deren Stelle würde – wie bereits schon gesagt – diese Agentur feuern: Wegen Unfähigkeit, die neuen Trends im Web 2.0 zu erkennen und wegen besonderer Dummdreistigkeit. Von den zu erwartenden Kosten und dem Imageschaden mal ganz abgesehen.

Nachtrag: Wortfeld und The Maastrix, die den ganzen Fake ja aufgedeckt haben, können sich über die Pressemitteilung ebenso nur wundern wie PR-Professor Thomas Pleil.


Posted on Samstag, April 14th, 2007 at 19:05 and is filed under Freistil. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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