Bribeline: Social Network gegen Korruption?

Die Financial Times Deutschland berichtet heute über das Social Network www.bribeline.org, mit dem die "Antikorruptionsorganisation Trace" ein "umfassendes Raster der weltweiten Korruption" erstellen will.
"Benutzergenerierter Inhalt, bislang meist Beziehungsnetzwerken wie Myspace.com vorbehalten, bekommt so eine neue Funktion", schreibt das Blatt. Die Idee ist einfach und klingt erst mal gut: Wer von einem Bestechungsversuch erfährt, kann in einem Fragebogen anonym die Details melden und so die Korruption öffentlich machen. Die Informationen werden dabei ungeprüft übernommen.
Wegen der anonymität warnen Kritiker davor, dass Bribeline missbraucht werden könnte, um Personen, Unternehmen oder Behörden gezielt zu schädigen. Da ist die Glaubwürdigkeit der "Antikorruptionsorganisation Trace" natürlich entscheidend. Doch wer steckt dahinter? In dem FTD-Artikel ist nichts dazu zu erfahren. Auch auf ihrer Website beschreibt sich die Organisation nur als "a non-profit membership association" ohne die Mitglieder konkret zu nennen.
Wie gut, dass es die Agentur pressetext.austria gibt, die normalerweise PR-Meldungen durch die Gegend schickt. Die berichtete vor wenigen Tagen: "Ein Verband aus internationalen Konzernen hat die Webseite Bribeline eingerichtet, auf der Fälle von Bestechung anonym gemeldet werden können. Hinter Trace stehen Unternehmen wie die Handelskonzerne Wal-Mart und Target."
Und da es sich offensichtlich auch hier um eine PR-Meldung handelt, ist weiter zu lesen: "Bribeline gewährleistet Wal-Marts Bemühungen, die nötigen Mittel im Kampf gegen die Korruption in den Ländern einzusetzen, in denen wir aktiv sind", sagt Alberto Mora, Vize-Präsident von Wal-Mart.
Aha. Nun will ich Wal-Mart nicht absprechen, sich gegen die weltweite Korruption zu engagieren. Aber ein Unternehmen, dass Gewerkschaften bekämpft, Menschenrechte verletzt und mit Fake-Blogs Meinungen beeinflussen will, lässt schon Zweifel an der Glaubwürdigkeit aufkommen. Zumal auf der Trace-Website nicht offen von diesem Initiator und Financier die Rede ist.
Wenn schon die FTD diese Zusammenhänge nicht kennt, wie soll da ein normaler Mensch – der in gutem Glauben mit einer Meldung auf Bribeline etwas gegen Korruption tun will – hinter die Kulissen schauen? Oder hat die Hamburger Wirtschaftszeitung die dubiosen Hintermänner gar mit Absicht verschwiegen?