Breiter Durchbruch für Heimnetzwerke bis zum Jahr 2010
Haushalte mit einem leistungsfähigen Home Network sind derzeit noch eher selten. Selbst in Ländern mit einer hohen Verbreitung von Breitband-Internetanschlüssen – so eine Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens The Diffusion Group (TDG) – steht ihr Durchbruch erst am Anfang. Danach liegt die Zahl der Netzwerke im eigenen Heim in den USA heute gerade einmal bei 17 Prozent, in Japan bei 16 Prozent und in Südkorea und Deutschland jeweils bei nur zwei Prozent.
"Während Breitband weltweit rasant wächst, wird die Verbreitung von Home Networks durch verschiedene Faktoren gebremst", betont Michael Greeson, Präsident der Diffusion Group. Dazu zählt seiner Meinung nach neben einem mangelnden "Technology Push" durch Anbieter, Serviceprovider und Regierungen vor allem das geringe Wissen der Konsumenten über die entsprechenden Technologien sowie die Vielzahl konkurrierender Standards auf diesem Feld. Rund acht Prozent der Endverbraucher in den USA äußerten zudem kürzlich bei einer Befragung ihre Angst, das Heimnetzwerk nicht alleine installieren zu können.
Die bisher gezeigte Zurückhaltung der Konsumenten wird sich aber nach Auffassung der Marktforscher bis zum Jahr 2010 deutlich ändern. Entscheidend dafür ist insbesondere das wachsende Angebot an netzwerkfähigen Geräten. Laut ihrer Studie waren 2004 weltweit 34,7 Millionen Haushalte mit Home Networks ausgestattet, an die insgesamt circa 107,6 Millionen Geräte angeschlossen waren. Bis zum Jahr 2010 erwartet The Diffusion Group rund um den Globus 162,3 Millionen Heimnetzwerke mit 973,8 Millionen installierten Endgeräten. Den größten Sprung wird nach dieser Prognose Südkorea machen, wo in fünf Jahren 90 Prozent aller Haushalte vernetzt sein sollen. In Deutschland dürfte diese Rate dann bei etwa 38 Prozent liegen.
Eine Technologie, die sich – neben Wireless LAN und traditionellem Fast Ethernet – für Heimnetzwerke zunehmend als Backbone etabliert, ist HomePlug. Denn spätestens dann, wenn sich der Internet-Zugang im Keller befindet und ein PC oder die Spielekonsole in einem Zimmer unter dem Hausdach angeschlossen werden sollen, stößt die WLAN-Technologie häufig an ihre Grenzen. Stahlbetondecken oder dicke Wände stellen nicht selten eine unüberwindliche Hürde dar. Echtes Homenetworking ist auf dieser Basis nicht möglich.
HomePlug – die Datenübertragung über die herkömmliche Elektroinstallation im Haus – zeigt sich dagegen in vielen Einsatzfällen der WLAN-Technologie deutlich überlegen, auch wenn es in der öffentlichen Diskussion heute häufig noch ein Schattendasein führt. Vor allem in Bezug auf die Stabilität der Datenübertragung und die Größe des Netzes, dass – so die Erfahrung – bis zu einer Reichweite von etwa 200 Metern ohne Leistungseinbußen funktioniert, sind die Vorteile unübersehbar.
Weltweit existieren heute bereits mehrere Millionen HomePlug-Installationen, wobei interessanterweise in Europa inzwischen mehr Adapter als in den USA abgesetzt werden. Mit der HomePlug Alliance, zu deren derzeit 55 Mitgliedern unter anderem Intellon, Sony, Sharp, Mitsubishi Electric, France Telecom, devolo, Netgear, Siemens und Sanyo zählen, gibt es auch ein globales Standardisierungsgremium.
Neben der bisherigen Spezifikation HomePlug 1.0 mit 14 Mbit/s Bandbreite, die für den Internetzugang per DSL ausreicht, wurde im August 2005 der neue Standard HomePlug AV verabschiedet. Dieser ist zu seinem Vorgänger kompatibel, ermöglicht "bertragungsraten von bis zu 200 Mbit/s und garantiert eine hohe Qualität bei Multimedia-Anwendungen. Erste Adapter auf der Basis der HomePlug-AV-Spezifikation werden vermutlich zur CeBIT 2006 vorgestellt. Der Aachener Hersteller devolo – in Deutschland Marktführer auf diesem Gebiet – hat bereits entsprechende Produkte angekündigt.Auch Anwendungen wie die TV-"bertragung über Internet-Protokoll (IP-TV) und Video-Streaming in DVD-Qualität sind damit problemlos möglich. Das hausinterne Stromnetz wird so zum Backbone für Multimedia-Applikationen und ermöglicht die Nutzung von Video on Demand im gesamten Haus – überall dort, wo es eine Stromsteckdose gibt. So können auch künftige Formen der Heimvernetzung, bei denen das "digitale Wohnzimmer" im Mittelpunkt steht, auf einfache Art und Weise Wirklichkeit werden.
Geräte der Unterhaltungselektronik wie TV-Apparate, Festplattenrekorder, DVD-Player, Hifi-Anlagen, Digitalkameras oder Camcorder lassen sich ebenso in das Netz einbinden wie Home-Sever, Computer, externe Festplatten, Spielekonsolen oder Netzwerkdrucker. Einzige Voraussetzung: Ein Ethernetanschluss. Vor allem die steigende Nachfrage nach "Digital Lifestyle-Produkten", da sind sich die Marktforscher einig, macht in Zukunft ein leistungsfähiges und überall verfügbares Breitband-Netzwerk für echtes Multimedia-Home-Networking im Privathaus notwendig. Im Gegensatz zu den Wireless LANs mit ihren Leistungsbegrenzungen und der traditionellen Ethernet-Verkabelung, die unflexibel ist und erheblichen Installationsaufwand erfordert, sind die Stromnetzwerke eine echte "Plug&Play"-Technologie.
Die Adapter müssen nur in die Steckdose gesteckt werden und sind sofort einsatzbereit. Physikalisch gesehen verhalten sie sich sofort wie ein "echtes" Netzwerkkabel. Auch Techniklaien können damit ohne Probleme umgehen. "Und genau das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass unsere Prognosen tatsächlich Wirklichkeit werden und sich das Home-Networking in den nächsten Jahren auf breiter Front durchsetzt", unterstreicht Marktforscher Michael Greeson von The Diffusion Group.