cioger
BMW - Keine Freude am Fahren mit Google
abgelegt im Archiv Freistil von wolfgang am 06.02.06
BlogPicture
Google-Chefentwickler Matt Cutts hatte in seinem Weblog schon am 11. Januar Maßnahmen gegen unzulässige Webseiten-Optimierungstricks auf nichtenglischsprachigen Websites angekündigt. Google Blogoscoped stellte die Peinlichkeit für den Weltkonzern BMW im Detail vor. Und Mario Sixtus prognostizierte die Konsequenzen der unsauberen Suchmaschinenoptimierung für den bayrischen Nobelkarossenbauer im Handelsblatt-Blog "Dezentrale" bereits letzte Woche.

Jetzt ist es tatsächlich passiert: Die Website www.bmw.de wird bei Google nicht mehr gefunden, wie eine Site-Suche bei der Suchmaschine zeigt. Das Ergebnis: "Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage - site:bmw.de - übereinstimmenden Dokumente gefunden."Matt Cutts hat es mittlerweile offiziell bestätigt: BMW ist aus dem Suchindex geflogen. "This week our webspam team continued ramping up our anti-spam efforts by removing bmw.de from our index, and ricoh.de will be removed soon for similar reasons", schreibt der Google-Chefentwickler. Und dem Bürotechnikhersteller Ricoh passierte inzwischen tatsächlich das gleiche Schicksal wie dem deutschen Automobilkonzern.

Was ist der Hintergrund der Geschichte? Da die auf Java-Skript basierenden BMW-Seiten für Suchmaschinen grundsätzlich völlig unzugänglich sind, versuchte der Automobilkonzern mit einigen Tricks - auch jenseits der anerkannt erlaubten Optimierungsmaßnahmen - seinem Google-Ranking auf die Sprünge zu helfen. Etwa mit einer so genannten Doorway-Page, die mit unsichtbarem Text unterlegt ist. Dort tauchen - recht sinnlos zusammengeschrieben - dutzendweise die Worte "Gebrauchtwagen", "Jahreswagen" und "BMW" auf. Für Matt Cuts ein klarer Verstoss gegen die offiziellen Google-Richtlinien für Webmaster.

Denn ein solches Vorgehen dient nach seiner Ansicht nicht dem Leser einer Seite, sondern nur dem Betreiber, der künstlich Besucher auf sein Web-Angebot lockt. Details dazu bei Netprofit und im ION-Blog. Zwar hatte BMW das heranziehende Gewitter erkannt und versucht, die kritisierten Seiten vom Netz zu nehmen. Doch zu spät. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und die Googlesuche nach "BMW" führt auf den vorderen Plätzen nur noch auf Seiten wie "www.bmw-motorrad.de", "www.bmwgroup.com" oder "www.bmwbank.de/".

In der Online-Ausgabe des Handelsblatts ist dazu folgendes zu lesen: "Matt Cutts erwartet, dass für eine Wiederaufnahme in den Google-Index das zuständige Webspam-Team einen entsprechenden antrag verlangen wird. Darin muss versichert werden, dass es in Zukunft keine Manipulationsversuche mehr geben wird. Außerdem soll der Antrag Details darüber enthalten, wer für die bemängelten Seiten verantwortlich ist".In der Blogosphäre findet das rigorose Vorgehen von Google viel Zustimmung. "Ein Exempel sondergleichen und vor allem ein grandioses Muskelspiel von Google, das erstmals die großen Konzerne spüren lässt, wer im Internet die größeren Klöten hat", freut sich der Werbeblogger. Und Mario Sixtus frohlockt voller Schadenfreude: "Für die deutsche SEO-Branche dürfte dies ein hektisches Wochenende werden: Zigtausende Doorway-Pages löschen, Weiterleitungen entfernen, Linkfarmen entflechten. Endlich muss die Bande den Dreck wegräumen, den sie ins Netz geschaufelt hat. Ein hämisches Harrharrharr kann der Autor sich nicht verkneifen...".Robert Basic stellt fest: "Ich dachte eigentlich, daß manche Seiten gleicher sind, nun ja, angenehme "berraschung sollte ich sagen, aber freuen tue ich mich über das Mißgeschick von BMW weniger. Eher freue ich mich, daß hiermit wohl ein Exempel statuiert worden ist, das deftige Signalwirkung in deutschen Weblanden haben dürfte." Und Netprofit treibt mit den Worten "Porsche macht es beispielsweise wesentlich besser: Vorsprung durch Technik!" vergleichende Werbung. Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott keine Sorgen machen.

Allerdings hat es ziemlich lange gedauert, bis Google sich des Problems angenommen hat, wie Siggi Becker erläutert. Imerhin: Zu spät ist besser als nie. Und dass Google vor der Markenmacht der weiß-blauen Nobelkarossenbauer nicht gekuscht hat, ist lobenswert. Den Imageverlust durch die Zensur bei seinem Angebot in China wird der Suchmaschinenbetreiber aber dadurch nicht kompensieren können.

Mittlerweile hat die Nachrichtenagentur dpa die Sache aufgegriffen, so dass bereits heute etliche Online-Ausgaben von Medien wie z.B. Focus oder das ZDF berichten. Morgen werden zudem etliche gedruckte Tageszeitungen nachziehen. Und der "Sydney Morning Herald" in Australien titelt bereits: "Todesstrafe für BMW". Hier bahnt sich ein weltweiter Image-Gau für die Nobelmarke aus Bayern an.

Permalink: BMW - Keine Freude am Fahren mit Google
Tags: Google  BMW  google  keine  fahren  freude+fahren  keine+freude  fahren+google 
Trackback: http://publish.creative-weblogging.com/publish/mt-tb.pl/15015
img del.icio.us img Readster img Lycos img Alltagz img Folkd Add this page to Mister Wong Wong img Wikio img Newstube img DIGG

Stimmen Sie ab für BMW - Keine Freude am Fahren mit Google:

  • Currently 7.75/10
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Dieser Eintrag wurde mit: 7.75 Punkten (von 8 Stimme(n) insg.) bewertet.
 
Abonnieren
Share It
Möchten Sie gern einen neuen, interaktiven Marketingkanal für Ihr Unternehmen haben? Erfahren Sie mehr über Sponsored Blogs mit Creative Weblogging. Sehen Sie wie man Sponsored Blogs erfolgreich einsetzt.
RSSrss
Alle Abonnements sehen
Google google
Was ist RSS?
Yahoo! yahoo
MEIN MSN MSN
Bloglines Bloglines
Newsletter

TwitterFollowen Sie uns bei Twitter!