Amazon Connect: Doch keine Weblogs sondern Plogs
Noch in den letzten Tagen des alten Jahres war an verschiedenen Stellen (z.B. bei golem.de oder in der Netzeitung) zu lesen: "Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat auf seiner US-Website erstmals Autoren-Weblogs online gestellt. Ein Dutzend verschiedene Autoren schreiben innerhalb eines neuen Werbeprogrammes namens «Amazon Connect» Gedanken zu ihren Werken auf – und treten in Kontakt mit ihren Lesern. Sinn der "bung: Amazon will eine stärkere Kundenbindung erreichen." Dabei gibt es dann einen Link zum Amazon-Weblog der Autorin Meg Wolitzer.
Verschiedene Weblogs in Deutschland (z.B. Webmaster & SEO Blog, GLOOMWebDev::BLOG, Webmaster Blog, Infojungs, problematik.net, Amazon-Blog) haben die Meldung – meist sehr verkürzt und unkritisch – weiterverbreitet.
Roger Jennings, Autor von über 30 Büchern zu Software-Themen mit einer Gesamtauflage von über 1,25 Millionen Stück, hat nun die Probe auf das Exempel gemacht und ein "Autoren-Weblog" bei Amazon.com eingerichtet (Seite bis nach unten scrollen).
In seinem eigenen Weblog berichtet er über seine Erfahrungen damit und schreibt, warum er den Begriff "Weblog" im Zusammenhang mit Amazon nur noch in Anführungsstrichen schreibt: I added the quotes around blog because Amazon includes the term plog in some of its Connect URLs and blog in other URLs and pages. According to TDavid, plog is an acronym for "product log," not "Web log." Plogs don't have much in common with today's blogs, in my opinion, so I plan to stick with plog in future references to Amazon Connect's message collections.
Seine (lange) Liste der Kritikpunkte:
1. Ein aufwändiger Prozess zur Einrichtung des Autoren-Plog.
2. RSS-Feeds gibt es nicht.
3. Der WYSIWYG HTML-Editor hat etliche Mängel.
4. Externe Links lassen sich nicht in einer Voransicht testen.
5. Es gibt kein Feed-back, ob die Veröffentlichung eines Beitrags geklappt hat.
6. Auch wenn die Veröffentlichung funktioniert, gibt es die Fehlermeldung "An error occurred trying to post your message".
7. Das Hinzufügen von "Favorite Books, Music and Movies" zum Autorenprofile ist nur mit Produkten möglich, die bei Amazon angeboten werden.
Und so geht die Liste weiter – bis zum Punkt 12. Offensichtlich ist "Amazon Connect" sowohl inhaltlich wie auch technisch noch nicht besonders ausgereift. Für ein Unternehmen in dieser Position eigentlich erstaunlich.
Der Online-Buchhändler selbst kündigt das neue Angebot so an: Amazon Connect is a new program currently open to a select group of authors. This program allows authors to post messages directly to their readers on a wide variety of subjects. Currently, messages will appear on the detail page of an author's book as well as on her/his profile page. As part of the program, authors may create a profile page with personalized information.Der Begriff "Weblog" taucht in der Tat nirgendwo auf. Und das ist sicher absicht.