23. Chaos Communication Congress: Wem kann man trauen?

Wahnsinn – schon zum 23. Mal findet nun schon – wie immer "zwischen den Jahren" – der "Chaos Communication Congress" (23C3) im Berliner Congress Centrum in der Nähe des Alexanderplatzes statt. Das Moto diesmal: "Who can you Trust?".
Die Veranstaltung – ursprünglich in hamburg als reines Hackermeeting begonnen – ist mittlerweile auch für alle Anwender interessant, die sich für gesellschaftliche Phänomene der Computertechnik interessieren. Organisiert vom Chaos Computer Club (CCC) werden innerhalb von vier Tagen 130 Vorträge, dutzende Workshops und ein dichtes Rahmenprogramm rund um die Uhr stattfinden. Wie schon 2005 sind neben den deutschsprachigen Vorträgen auch wieder eine ganze Reihe von Präsentationen in Englisch geplant.
Die Keynote hält dieses Jahr zum Beispiel John Perry Barlow. Ursprünglich als Musiker in der berühmten Band "Grateful Dead" bekannt geworden, hat er sich als Mitbegründer der Bürgerrechtsorganisation EFF in der Netzwelt einen Namen gemacht.
Auf dem 23C3 soll auch der "Wahlcomputer-Hack" ausführlich diskutiert werden. Rop Gonggrijp wird am ersten Tag über die Folgen des Hacks berichten. Im Oktober wies eine Gruppe von Mitgliedern des CCC in Kooperation mit holländischen Hackern um Gonggrjip gravierende Sicherheitslücken bei Wahlcomputern der Firma Nedap nach. Diese oder bauähnliche Wahlcomputer wurden bereits mehrfach in Holland, Deutschland, Frankreich und Irland bei National- und Kommunalwahlen eingesetzt. Die Ergebnisse riefen ein internationales Medienecho hervor. Auch eine Bürgermeisterwahl in Cottbus war direkt von den Erkenntnissen betroffen. Die Cottbusser entschieden sich in der Folge gegen den Kauf der Nedap-Wahlcomputer.
Ulrich Wiesner wird anschließend in seinem Vortrag "Hacking the Electoral Law" über den Fortgang seines Einspruches gegen die Verwendung von Wahlcomputern bei der Bundestagswahl in Deutschland berichten.
Gleich mehrere Vorträge beschäftigen sich mit dem dramatisch fortschreitenden Verlust von Bürgerrechten. Ob Informationen zur Vorratsdatenspeicherung, zur Verwendung von Biometrie in Ausweisdokumenten, zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte – die aktuell von der Politik geplanten technischen Großabenteuer kommen auch dieses Jahr nicht zu kurz.
Neue Sicherheitslücken in Web2.0-Applikationen werden von Giorgio Fedon und Stefano Di Paola vorgestellt. Jacob Appelbaum und Ralf-Philipp Weinmann berichten über neueste Sicherheitsanalysen bei FileVault, der Festplattenverschlüsselung von Apple. Der amerikanische Juraprofessor Lawrence Lessig wird einen Vortrag über Vertrauen und Kontrolle im Cyberspace halten. Lessig ist Gründer der Creative Commons Initiative, erfolgreicher Buchautor und lehrt an der Universität Stanford am Center for Internet and Society.
Juristisches kommt ebenfalls nicht zu kurz: Der in der deutschen Blogosphäre bekannte Anwalt für Strafrecht, Udo Vetter, wird über die Thematik Hausdurchsuchung und Hardwarebeschlagnahme einen groben Überblick geben. Die neuen Pläne zur Änderung des Strafrechts bei der Verwendung von so genannten "Hackertools" wird ebenfalls diskutiert werden. Peter Voigt wird hier über die praktischen Auswirkungen der aktuell geplanten Strafrechtsänderung berichten. Auch juristische Fragen der Mitbenutzung fremder WLANs werden in einem eigenen Vortrag diskutiert.
Das komplette Vortragsprogramm des 23C3 findet sich unter http://events.ccc.de/congress/2006/Fahrplan
Eine Vorregistrierung für die Teilnahme ist nicht erforderlich. Die Veranstalter erwarten vor allem für den 27. Dezember 2006 im Zeitraum zwischen 11 und 13 Uhr längere Schlangen. Wer diese vermeiden will, kann die Tickets bereits am späten Nachmittag des 26. Dezember 2006 erwerben.